Wie wird die europäische Rechenzentrumslandschaft im Jahr 2030 aussehen?

29 Januar 2026
data centers landscape
Inhaltsverzeichnis

Mit dem rasanten Fortschritt der künstlichen Intelligenz (KI) steigt der Bedarf an Rechenzentrums-Infrastruktur in Europa massiv. Aktuelle Wachstumstrends zeigen klar: Bis 2030 wird sich die europäische Data-Center-Landkarte grundlegend verändern.
KI treibt eine Explosion der Nachfrage nach Rechenleistung – allein in den nordischen Ländern und Südeuropa wurde ein Nachfrageanstieg von 110 % verzeichnet. Die Investitionen werden 100 Mrd. EUR übersteigen. Länder wie Schweden, Italien und Spanien entwickeln sich zu neuen Führungsregionen, während die klassischen FLAPD-Hubs(Frankfurt, London, Amsterdam, Paris, Dublin) durch überlastete Stromnetze an Dominanz verlieren.

Projektentwickler orientieren sich zunehmend an Standorten mit günstigen Strompreisen, stabilen Netzen und erneuerbaren Energien (EE). Polen positioniert sich dabei als aufstrebender osteuropäischer Data-Center-Hub.
Die zentrale Frage bleibt: Kann Europa im KI-Wettrennen zu den USA aufschließen?

Aktuelle Rechenzentrumslandschaft in Europa

Der europäische Markt wird derzeit von den sogenannten FLAPD-Standorten dominiert: Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin. Diese Metropolen vereinen rund 62 % der gesamten europäischen Rechenleistung auf sich – vor allem dank exzellenter Glasfaseranbindungen.

  • Frankfurt: ca. 750 MW installierte Leistung
  • London: rund 1,5 GW in etwa 150 Rechenzentren
  • Gesamtkapazität Europa 2024: 18,7 GW

Stromverbrauch und Netzbelastung

Deutschland ist mit 4,26 GW (2025) der größte Stromverbraucher im Data-Center-Segment, gefolgt vom Vereinigten Königreich mit 3,69 GW und Frankreich mit 1,72 GW.
Dublin verbraucht bereits heute rund 80 % des nationalen Strombedarfs für Rechenzentren. In Amsterdam, London und Frankfurt liegt der Anteil bei 33–42 % der lokalen Stromnetze – mit deutlichen Engpässen.

Überlastete Netze führen dazu, dass neue Anschlüsse in FLAPD-Regionen bis 2028–2030 ausgesetzt sind. Wartezeiten von 7–13 Jahren sind keine Seltenheit. Das bremst insbesondere Hyperscale-Projekte aus. Große Technologiekonzerne wie Microsoft oder Google weichen daher zunehmend auf alternative Standorte aus. Zusätzlich verschärfen Umweltauflagen und die DSGVO (lokale Datenspeicherung in der EU) den Standortdruck.

Wachstum des europäischen Data-Center-Marktes bis 2030

Der europäische Markt für Rechenzentrumsdienstleistungen hat aktuell ein Volumen von rund 47 Mrd. USD. Cloud Computing und KI sind die zentralen Wachstumstreiber. Der Colocation-Markt wächst mit einer CAGR von ca. 22 %.

Im optimistischen Szenario wird sich der Markt bis 2030 auf rund 97 Mrd. USD nahezu verdoppeln.

  • Stromverbrauch: Anstieg von 96 TWh auf 168 TWh bis 2035
  • Investitionen: über 100 Mrd. EUR
  • Colocation-Umsatz: ca. 35,7 Mrd. USD

KI generiert bereits heute etwa 15 % der jährlichen Nachfrage, zusätzlich treiben 5G und Edge Computing die Entwicklung. Die EU plant, die verfügbare Rechenleistung zu verdreifachen – realistisch erscheint jedoch eher eine Verdopplung. Hintergrund sind zunehmend gigawattstarke Hyperscale-Campus. Die DSGVO verstärkt diesen Trend durch die Pflicht zur Datenhaltung innerhalb Europas.

Nordics und Südeuropa als neue Wachstumsmotoren

Die nordischen Länder und Südeuropa gewinnen stark an Attraktivität. Dort wuchs die Nachfrage bereits um 110 %, während FLAPD nur 55 % erreichte. Prognosen zufolge werden bis 2035 rund 50 % der Rechenleistung außerhalb der klassischen Hubs angesiedelt sein.

Treiber dieser Entwicklung:

  • günstige Grundstückspreise
  • hoher Anteil an erneuerbaren Energien
  • Flüssigkeitskühlung, die Standorte mit hohem Wasserangebot begünstigt

Bis 2030 wird der Leistungsbedarf auf etwa 36 GW steigen. Der KI-Sektor allein wird rund 5 % des gesamten europäischen Stromverbrauchs beanspruchen. Um dies abzufedern, schaffen viele Länder spezielle KI-Zonen mit steuerlichen Anreizen.

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Neue Data-Center-Hotspots in Europa

Nordische Länder

Schweden, Norwegen und Dänemark werden ihren Bedarf bis 2030 verdreifachen.

  • Dänemark investiert seit 2017 massiv in Umspannwerke (Wachstum ca. 26 % p. a.)
  • Norwegen strebt bis 2050 über 15 TWh Verbrauch an – begünstigt durch günstige Wasserkraft und Windenergie

Südeuropa

Länder wie Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und die Slowakei erwarten bis 2035 ein 3- bis 5-faches Wachstum.

  • Mailand wird zum Verbindungsknoten für Mitteleuropa
  • Madrid profitiert von Solarenergie und plant +10 GW Kapazität
  • Athen nutzt Meerwasser zur effizienten Kühlung

Mittel- und Osteuropa

  • Belgien: +72 % Kapazität bis 2030
  • Polen: Aufbau eines regionalen Hubs in Warschau, weitere Standorte u. a. in Poznań
  • Österreich und Ungarn profitieren von stabilen Stromnetzen
  • Finnland punktet mit natürlicher Kühlung
  • Schweiz bleibt trotz hoher Kosten stabil

Zentrale Treiber des Wandels

  • Stromnetze (Grid Capacity) entscheiden über Standorte
  • Niedrige Energiepreise & kühle Klimazonen senken OPEX
  • 94 % EE-Anteil in Nordics
  • KI-Boom: bis 2030 ca. 36 GW Bedarf
  • EU-Investitionsprogramm InvestAI: 200 Mrd. EUR
  • Neue Glasfaser- und Unterseekabel verbessern Konnektivität
  • Flüssigkeitskühlung reduziert Wasserverbrauch um bis zu 90 %
  • Abwärme wird zunehmend zur Fernwärme genutzt

Prognose: Die Data-Center-Landkarte Europas 2030

  • Anteil FLAPD sinkt auf ca. 55 %
  • Nordics & Südeuropa übernehmen 45 %
  • Schweden, Dänemark, Italien, Spanien als neue Leitmärkte
  • Polen und Belgien steigen in die Top-Standorte auf
  • Gesamtrechenleistung: 36 GW
  • KI beansprucht 5 % des EU-Strombedarfs

Europa wird seine Rechenzentrumsinfrastruktur stärker dezentralisieren, um Effizienz, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit zu erhöhen. Gleichzeitig stärken neue Data-Center-Investitionen regionale Volkswirtschaften, schaffen tausende Arbeitsplätze und fördern die digitale Souveränität der Europäischen Union.

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