Angebot an studentischem Wohnraum in Berlin: Schlussfolgerungen für transaktionsorientierte Investoren

4 Juni 2026
Berlin Student Housing Supply
Inhaltsverzeichnis

Berlin zählt zu den größten und strukturell am stärksten unterversorgten Märkten für studentisches Wohnen in Europa. Für Investoren, Finanzierer und Makler im Bereich Operational Real Estate ist die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage keine Randnotiz, sondern der Kern der Investmentthese.

Ein von Knappheit geprägter Markt

An Berlins Hochschulen sind rund 200.000 Studierende eingeschrieben. Dem gegenüber betreibt das studierendenWERK Berlin 33 Wohnheime mit etwa 9.500 Zimmern, ergänzt um rund 1.200 Plätze der gemeinnützigen Bürgermeister-Reuter-Stiftung. Daraus ergibt sich eine Versorgungsquote von nur etwa 5% der Berliner Studierenden in einem Wohnheim halb so hoch wie der bundesweite Durchschnitt von rund 10% und weit unter den etablierten westeuropäischen Märkten.

Die Wartelisten umfassen Tausende von Studierenden bei Wartezeiten von mindestens einem Jahr. Die Nachfrage ist unelastisch, wiederkehrend und erneuert sich jedes Semester.

Die Angebotspipeline ist real, aber unzureichend

Privates Purpose-Built Student Accommodation (PBSA) schließt einen Teil der Lücke. Deutschlandweit gab es Ende 2024 rund 68.500 privat betriebene Betten, die laut Savills bis 2027 auf etwa 80.000 Betten steigen sollen. Dennoch liegt die gesamtdeutsche PBSA-Versorgungsquote bei nur gut 8% ein Beleg dafür, dass neues Angebot schneller absorbiert als geschaffen wird.

In Berlin selbst ergänzt das landeseigene Unternehmen Berlinovo 700 Plätze und plant weitere 3.550 über drei Jahre. Neues institutionelles Kapital tritt ein: 2025 starteten Amro Partners und Aviva Investors eine deutsche PBSA-Plattform mit dem Ziel von 3.000 Betten und über 500 Mio. Euro Bruttovermögenswert. Das erste Projekt ein 60-Mio.-Euro-Vorhaben mit 200 Zimmern in Charlottenburg, fußläufig zur TU Berlin soll zum Studienjahr 2028/29 eröffnen.

Preissetzungsmacht bestätigt die These

Zu Beginn des Sommersemesters 2025 lag die durchschnittliche Bruttowarmmiete einer privat betriebenen PBSA-Einheit in Berlin bei 805 Euro pro Monat, gegenüber rund 637 Euro für ein Zimmer in einer WG. Für die kommenden zwölf Monate wird ein weiterer Mietanstieg von rund 15% erwartet. PBSA erzielt einen Aufschlag, weil es ein gemanagtes, möbliertes All-inclusive-Produkt in einen Markt verkauft, dessen Alternative eine einjährige Warteliste ist.

Die Kapitalmärkte drehen

Das Transaktionsvolumen erzählt die zyklische Geschichte. Zwischen 2018 und 2022 zog das deutsche Segment für studentisches Wohnen und Mikroapartments durchschnittlich 490 Mio. Euro pro Jahr an. Der Zinsanstieg drückte das Volumen 2023 und 2024 jeweils unter 200 Mio. Euro was jedoch überwiegend als vorübergehendes, finanzierungsbedingtes Tief und nicht als struktureller Rückzug gewertet wird. Seit Ende 2024 nehmen Verkaufsprozesse für Bestandsobjekte, Entwicklungen und Plattformen spürbar zu. Bezeichnend ist, dass sich der Renditeaufschlag von PBSA gegenüber klassischem Wohnen von 120–130 Basispunkten 2021 auf heute rund 75–85 Basispunkte verengt hat ein Signal, dass institutionelle Investoren die Anlageklasse nun risikoärmer und core-näher bepreisen.

Schlussfolgerungen für transaktionsorientierte Investoren

Die Berliner These beruht auf einem dauerhaften strukturellen Ungleichgewicht: tiefe, wiederkehrende Nachfrage gegen eine Versorgungsquote, die neues Angebot bis zum Ende des Jahrzehnts nicht schließen kann. Für transaktionsorientierte Investoren bedeutet das Preissetzungsmacht bei den Mieten, defensive Auslastung und einen sich verengenden Renditeabstand zum Wohnsegment.

Stabilisierte Bestandsobjekte bieten den saubersten Einstieg in antizyklische Erträge in einem Moment, in dem sich die Finanzierung normalisiert. Forward-Funding und Projektentwicklung wie das Charlottenburg-Vorhaben von Amro/Aviva zeigt greifen die Angebotslücke direkt ab, tragen aber Bau- und Vermietungsrisiken, die eingepreist werden müssen. Die Lage bleibt entscheidend: Nähe zu TU, FU, HU und den größeren Hochschulen sichert Auslastung und Exit-Liquidität. Und da sich der Zinszyklus stabilisiert und der Renditeabstand verengt, könnte das Fenster 2025–2026 einen Wiedereinstiegspunkt darstellen, bevor sich Transaktionsvolumina und Preise vollständig auf ihren Vor-2023-Trend normalisieren.

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